Alles in Ordnung
Neue Medien - Neue Märkte. Der Kampf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten.
Heute bei den 13. österreichischen Medientagen wurde durchwegs in die Zukunft gedacht. Der Eindruck ist aber, dass noch alles in guter alter Ordnung ist. MySpaceund Youtube werden als neue Möglichkeiten gesehen, aber bedroht sehen sich die etablierten Protagonisten der österreichischen Medienszene durch Web 2.0 offenbar nicht. Noch ist das beliebteste Match öffentlich rechtlicher Rundfunk gegen den Rest.
Rupert Murdoch ist da offensichtlich alarmierter. Einen Monat nach seinem 75. Geburtstag lese ich in WIRED (Juliausgabe): ?To find something comparable, you have to go back 500 years to the printing press, the birth of mass media ? which, incidentally, is what really destroyed the old world of kings and aristocracies. Technology is shifting power away from the editors, the publishers, the establishment, the media elite. Now it?s the people who are taking control.?
Meint er es ernst? Zumindest lässt er sich seine Überzeugung etwas kosten: Im letzten Jahr hat Murdoch mehr als 1,5 Mrd. $ für die Akqusition von Internetfirmen ausgegeben. MySpace hat ihm allein 580 Mio. $ gekostet. In Großbritannien hat er im Sommer angekündigt, dass alle BSkyB Kunden gratis Breitbandinternet bekommen sollen. 400 Mio. Pfund sollen investiert werden. Gegenüber den Analysten meinte Murdoch: Werbung geht online, wenn wir jetzt nicht handeln, sind wir nicht dabei.
Wenn MySpace heute mehr als 100 Mio. User hat und täglich kommen 230.000 dazu und Youtube 100 Mio. Downloads täglich und 65.000 Uploads täglich hat, dann ist das vielleicht die Morgendämmerung eines Umbruchs in den Medien, der das Match Öffentlich Rechtlich gegen die Privaten als Simmering gegen Kapfenberg klassifiziert.



markus (anonym) 29. Sep, 22:08
Das Resultat ist aber leider beinahe immer wieder das gleiche: Die Blogger sehen ihren medialen Einfluß in einem Höhenflug, während die Medien-Industrie das Phänomen "user generated content" und Social Software oftmals lediglich als "Flop 2.0" einstuft.
Dass man sich hierzulande noch keine allzu großen Sorgen über eine Konkurrenzsituation (so denn es dazu überhaupt jemals kommen muss) macht, wundert mich nicht. - Während sich "big brother" auf der anderen Seite des großen Wassers über gigantische Userzahlen und den entsprechendem Traffic freuen darf, verschläft Europa die Hälfte... Liegt's daran, dass die Internetgemeinde bei uns einfach noch nichts von den Möglichkeiten des Web mitbekommen hat? Sind die Leute einfach nur zu faul oder sind die Europäer generell weniger interessiert an der aktiven Mitgestaltung des www?