Der PR Manager ist der Community Manager

In der Community gibt es eine Diskussion über die Rolle und Organisation des Community Managers.

Es scheint klar, dass sich die Organisation von Corporate Communications in Unternehmen und Organisationen verändert. Unternehmen und Organsisationen werden immer mehr zu Communities selbst, die mit externen Communities in Beziehung treten. Daher denken wir bei Telekom Austria über ein völlig neues Intranet, das auch Funktionen nach außen haben wird nach. Es scheint weiters klar, dass Communities intern und extern Betreuung durch einen Community Manager brauchen.

Aber ist das eine völlig neue Rolle? Als PR Profi und Präsident des Public Relations Verbandes Austria PRVA bin ich mit Darstellungen wie von Mark Raela nicht einverstanden. Er sieht den Community Manager als Leitungsfunktion zwischen der Geschäftsleitung und den Bereichen Entwicklung, Marketing und PR.

Daniel Langwasser greift diesen Ansatz auf und schwächt die Funktion auf ein Bindeglied der Geschäftsführung zu den oben erwähnten Funktionen ein.

Ich denke, dieses Bindeglied gibt es in Form des PR Managers schon.  Marketing, Entwicklung, HR etc. haben ihre Linienfunktionen und erfüllen ihre Leistung in Enabeling- bzw. Coreprozessen. Corporate Communicaitons ist jetzt schon ein Managementprozess der direkt von der Geschäftsführung gesteuert wird und der Einfluss auf die Enabeling- und Coreprozesse ausübt.

Nach Prof. Peter Szyzska hat PR die P2 Funktion am Rande des Unternehmens. Mit einem Fuß im Unternehmen und mit dem anderen Fuß in den Stakeholdergruppen. Die ideale Vorausetzung für den Community Manager.

 

Organisation von PR nach Prof. Peter Szyszka

 

 


Mark Ralea (anonym) 23. Jul, 13:00

Hallo,

mein Ansatz geht sicher zu stark in die Tiefe - dieser sollte aber auch eher als Grundlage zur Diskussion dienen. Eines ist aber sicher - PR Manager und Community Manager können kaum in einer Person durchgeführt werden.

Dies liegt grundsätzlich daran das a) anders kommuniziert wird und b) bei PR kein echter Dialog entsteht während ein CM die ganze Zeit in Diskussionen steckt.

Werde das aber aufgreifen und einen näheren Einblick geben wieso ein PR manager nicht gleichzeitig Community Manager sein kann und sollte..

Grüße
Mark

Martin Bredl 23. Jul, 14:31

Also, wenn bei PR kein echter Dialog geführt wird, dann es sicher keine PR. Werbung führt keinen Dialog. In jeder PR Definition kommt Dialog vor. Siehe: http://www.pr-woerterbuch.de/wiki/index.php/PR-Definition
Wir müssen diese Diskussion viel tiefgehender führen.
Soziale Netzwerke sind die ideale Plattform für PR Dialoge zu führen
Freut mich sehr, dass ein großes Unternehmen wie die Telekom Austria innovativen Ansätzen offen gegenübersteht.

Community Manager (CM) und PR Manager in Personalunion zu sehen, halte ich allerdings nicht für den richtigen Ansatz. Sicher stellt der klassische PR Manager auch ein Bindeglied zu den Stakeholdern dar, allerdings primär getrieben von den Interessen des Unternehmens. Die Rolle des CM geht m.E. einen Schritt weiter: Der CM vertritt natürlich auch die Interessen des Unternehmens, ist aber auch gleichzeitig "Anwalt" der Stakeholder. Mit allen positiven und negativen Folgen. Dies kann der PR Manager mit dem aktuellen Rollenverständnis in meinen Augen momentan nicht leisten.

Ich denke aber auch, dass der eine den anderen nicht ersetzen kann, beide Rollen sind gleichermaßen wichtig in einer Unternehmung.

Viele Grüße
Daniel

Martin Bredl 23. Jul, 14:33

PR ist der Anwalt der Stakeholder. Daher die Rolle als P2. Die Aufgabe von PR ist zu kommunizieren und das Unternehmen so zu steuern, dass es den Erwartungen der Stakeholder gerecht wird.

Mark Ralea (anonym) 23. Jul, 15:06

Hallo Herr Bredl,

einen Dialog und Diskussion im Social Media zu führen oder als PR Manager mit der Presse ist ein großer Unterschied.

"PR (laut Wikipedia): PR grenzt sich begrifflich zum einen von Agitation oder Werbung insoweit ab, als sie nicht einzelne Handlungen anzielt (etwa eine Stimmabgabe, einen Warenkauf), sondern ein generelles positives Vorurteil erzielen möchte.... Die in neuerer Zeit etwa von Michael Kunczik gebrauchte Gleichsetzung von PR und Propaganda wird vor allem im wiedervereinigten Deutschland problematisch gesehen ist nicht unumstritten....."

Man kann jetzt sehr kritisch gegenüber dem Wort Propaganda stehen. Aber im Grunde zeigt es schon in welche Richtung der PR Manager tendiert.

Kommen wir zu den grundsätzlichen Sachen - könnte ein PR Manager auch grundsätzlich CM ARbeit machen. Ja. Er kann schreiben und sollte mit Leuten sprechen können - aber (das große Aber) er muss eine andere Form finden. Dies gelingt PR Managern besonders in Deutschland nicht bzw. kaum. Meist werden sogar Pressemitteilungen in Social Media Dienste gestellt und nicht angepasst.... das zeigt auch das Verständnis von PR gegenüber CM.

Welche Vorteile hat ein CM. Er kann Sachen über das Unternehmen und die Produkte sagen die der PR Manager lieber lassen sollte. Ein CM sollte grundsätzlich ehrlich sein und auch Missstände akzeptieren und sogar manchmal zugeben. Der PR Manager sollte das jedenfalls nur bedingt machen... ich kenne mich da aus - habe für Publisher von PC Spielen gearbeitet die einfach Mist waren.... PR hat etwas anderes propagiert. Die Community wollte aber ehrliche Antworten...


Meine Meinung sollte der CM eine ähnliche Rolle spielen in einem Unternehmen wie der PR Manager. Also bei großen Unternehmen. Bei kleineren die als Produkt eine Community haben oder gezielt ein Produkt für eine Community haben bin ich etwas anderer Meinung.

Bin nebenbei für jedes Feedback zu meinem Artikel dankbar und finde die Überlegung gut. Wie gesagt denke wir müssen alle gemeinsam etwas an dem Punkt feilen.

Würde mich sehr freuen wenn wir in einen direkten Dialog treten könnten. Mailadresse sollten Sie sehen.

Mit freundlichen Grüßen
Mark Ralea
hallo herr bredl
hallo herr ralea

habe die diskussion verfolgt

ich halte den bereich social media und die damit verknüpfte funktion eines community managers
für eine querschnittsmaterie die alle bereiche betrifft, weil in einer generischen strategy map eines unternehmens der kundenwertbeitrag sich
durch social media in allen bereichen abbilden läßt.

damit erfolgt ein paradigmenwechsel in der außenorientierung eines unternehmens weil
eben alle bereiche als imagebildend und beziehungsrelevant erkannt werden

man könnte damit auch das brandmanagement,
dass ja eigentlich relationsship verantwortlich ist, als zentrale stelle positionieren

strukturell besteht da sicher diskussionsbedarf
mit freundlichen grüßen
klement cabana
Hallo Herr Bredl,

bis auf den Begriff des "Managements" (appelliert vor allem die Kontrollfantasien der Unternehmensleitung) bin ich da ganz bei Ihnen. In Vorbereitung einer wissenschaftlichen Arbeit habe ich PR/Unternehmenskommunikation als Vernetzungsfunktion der Organisation modelliert (und moderne Unternehmungen ebenso wie Märkte als Netzwerke). Daraus lässt sich sehr stringent ein erweitertes neues PR-Verständnis ableiten, das aber nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird, zumal dort noch ein tradiertes Bild herrscht (wie auch in den deutschen Verbänden).

Ein modernes PR Verständnis dagegen, das sich inhaltlich begründet und an den Stakeholdern orientiert ist, muss quasi zwangläufig die Community bzw. das Netzwerk behandeln, und zwar in einem Sinne, bei dem nicht "gemanaged" werden soll, was die Community sagt, sondern gehört wird worüber sie spricht und natürlich auch beeinflusst werden soll, worüber sie spricht.

In diesem Zusammenhang noch ein Gedanke: PR sind die einzige Kommunikationsdisziplin, deren Ziel - nämlich die Relations - in ihrem Namen verankert ist. Andere sprechen - wie die Community Manager - dagegen lieber über sich selbst, oder die Techniken, die sie verwenden. (So etwas steht aber auchnicht in Wikipedia)

Martin Bredl 27. Jul, 17:25

Danke für ihre Gedanken. Das was Franz Bogner als PR in Österreich geprägt hat, kommt dem Community Anspruch schon sehr nahe. In vielen Geprächen hat Franz Bogner mir versucht zu erklären, dass PR immer den Anspruch der Gesellschaft berücksichtigen muss. Auch sehr schön finde ich Ihren Gedanken, dass Public Relations als Bezeichung perfekt den Community Anspruch beinhalten.
Sascha Stoltenow schrieb:
"In diesem Zusammenhang noch ein Gedanke: PR sind die einzige Kommunikationsdisziplin, deren Ziel - nämlich die Relations - in ihrem Namen verankert ist. Andere sprechen - wie die Community Manager - dagegen lieber über sich selbst, oder die Techniken, die sie verwenden."

Mit Verlaub: Diese Aussage ist schon starker Tobak. Es mag sicher noch Unternehmen geben, die zumindest davon träumen, dass sie ihre Community managen im Sinne von steuern könnten. Aber kein vernünftiger Community Manager, der auch tatsächlich als solcher arbeitet, wird dies für sich in Anspruch nehmen. Auch kann ich nicht nachvollziehen, was sie unter Techniken verstehen: Einen Forenbeitrag zu löschen, ist mit Sicherheit kein Community Management im eigentlichen Sinne...

Vielleicht darf ich Ihnen zum Thema Community Management meine Sicht dieses Berufsfeldes darlegen, evtl. (oder besser: hoffentlich) wird damit einiges klarer:

http://www.community-management.de/2008/05/was-ist-eigentlich-community-management/
http://www.community-management.de/2009/04/definition-community-management/

Viele Grüße
Daniel Langwasser
So stark ist der Tobak nicht. Ich bin Ihren Links gefolgt, und vieles, was dort steht, ist durchaus plausibel. Nur: ich finde in den von Ihnen verlinkten Artikeln keinen einzigen Hinweis auf das ZIEL von Community Management. Vielleicht können Sie hierzu Ihrerseits etwas starken Tobak beitragen, denn sonst bleibt es bei dem etwas dünnen Definitionskraut, dass da heißt: "Das Ziel von Community Management ist Community Management. Es umfasst alles andere, was wir da mal auf einer Chart zusammen getragen haben."

Achtung: Das heißt nicht, dass Community Management ziellos ist - Sie nennen es nur nicht.

Vergleichen Sie das mal mit einer modernen Definition von Unternehmenskommunikation/PR wie bspw. Zerfaß, der damit alle kommunikativen Handlungen von Organisationsmitgliedern, die einen Beitrag zur Aufgabendefinition und -Erfüllung leisten, beschreibt. Das ist natürlich keine physikalische Invariante, aber gibt doch schon einen anspruchsvollen Denkrahmen vor, der sich inhaltlich begründet. Innerhalb dieses Modells, lassen sich die Beziehungen der Unternehmung zu den unterschiedlichen Stakeholdern sehr gut einordnen. Und genau innerhalb dieses Modells, ließe sich ebenso gut eine tragfähige Definition der Ziele des Community Managements entwickeln.

Nur: allein sprachlogisch geht CM von der Managebarkeit aus. Die PR tun das nicht (selbst wenn die Auftraggeber sich nach Kontrolle sehen). Gleichwohl erheben die PR den Anspruch der Steuerung. Nicht im Sinne einer Kontrolle darüber, was die Menschen reden, wohl aber worüber sie reden. Die Alternative wäre Beliebigkeit oder ein übergroßer, naiver Glaube an die hierarchiefreie Selbstorganisation. Die haben wir jedoch nach der ersten Formationen der Stammesgesellschaft hinter uns gelassen, woran auch die tribalen Strukturen der digitalen Gemeinschaft nicht grundlegend rütteln werden.

In diesem Sinne hoffe ich auf einen produktiven Austausch.

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